Rechtsanwältin Silke Jaspert

Fachanwältin für Strafrecht, Mediatorin

Urteil im Mordfall in Pattensen

Gespeichert am 12.05.2014

Nach der recht kurzer Verhandlungsdauer von nur zwei Prozesstagen wurde heute das Urteil im Pattenser Mordfall gesprochen.

Zur Geschichte:

Am 30.05.2013 sah der Angeklagte, wie das Opfer Mittags mit ihrem Auto auf dem Weg ins Nachbardorf war. Er nahm - zu Recht - an, dass sich das Opfer zu ihrer Familie begeben und dort einige Zeit verbringen würde. Er vermutete nun, eine gute Gelegenheit zu haben, in das Haus des Opfers einzubrechen und Stehlenswertes vorzufinden. Gedacht getan. Nachdem er eine Scheibe an der Eingangstür zerschlagen hatte, betrat er das Haus des Opfers. Dort begab er sich zunächst in die Küche und Speisekammer, um nach Essbarem und Werthaltigen zu suchen. Er fand dort einige Lebensmittel und auch die Erlöse aus dem Eierverkauf des Opfers (ca. 30,00 €), die er an sich nahm. Sodann ging er weiter durch das Haus, um nach weiteren Gegenständen zu suchen. Dabei fielen ihm auch einige Schmuckstücke des Opfers in die Hände, die er einsteckte. Schließlich - auf dem Weg ins Schlafzimmer, kam das Opfer unerwartet und früher wieder nach Hause. Sie traf den Angeklagten im Schlafzimmer an und rief ihm zu, was das denn solle, er solle stehenbleiben und sie würde die Polizei rufen. Der Angeklagte suchte daraufhin sein Heil in der Flucht. Hierbei stieß er das Opfer zu Boden. Sie fiel und schlug hart mit dem Kopf auf dem Boden. Benommen konnte sie sich jedoch wieder aufrappeln und sagte zum Angeklagten, er solle da bleiben. Der Angeklagte war aber keineswegs Willens, sich der Polizei wegen des Einbruchs zu stellen. Um dies zu verhindern und auch, um das Opfer zur Ruhe zu bringen, stellte er sich nun hinter die alte Dame und legte ihr von hinten den Arm um den Hals. Er nahm sie in einen Schwitzkasten. Die zierliche 83 Jahre alte Dame hatte keine Möglichkeit, sich gegen den weitaus jüngeren und sehr kräftigen Angeklagten zu erwehren. Der Angeklagte drückte nun fest und lange um den Hals der Dame zu.

Dies tat er so lange - wie der Gerichtsmediziner sagte: stark und mit einiger Dauer - bis die Frau zusammensackte. Anschließend legte er die Frau - von der er nun sicher annahm, dass sie tot sei - auf ihr Bett. Er entkleidete sie, um sämtliche Spuren zu beseitigen, die auf ihn schließen könnten.

Er selbst gab an: "um DNA-Spuren zu beseitigen." Danach sah er noch die Handtasche der alten Dame und entnahm daraus die Geldbörse und auch ein Sparbuch. Anschließend verschloss er alle Türen im Haus und ging zurück nach Hause, nur einige Minuten vom Opfer entfernt.

Kurz vor Beginn des Prozesses haben sich die Angehörigen an unsere Kanzlei gewandt, um im Verfahren als Nebenkläger aufzutreten. Das Urteil des Schwurgerichts im Landgericht Lüneburg ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass dies ein Mord ist. Der Angeklagte wurde also mit der einzig möglichen Konsequenz zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte sich auch Frage, ob hier eine besondere Schwere der Schuld festzustellen ist. Dies wurde jedoch verneint, es sei allerdings ein "Grenzfall". Letztlich half dem Angeklagten hier aber, dass er die Tat am ersten Verhandlungstag umfassend gestanden hat und er bis jetzt auch nicht vorbestraft war.

Für die Angehörigen ist mit diesem Urteil ein sehr schwerer Zeitabschnitt zu Ende gegangen. Sie hoffen, dass es ihnen nun möglich ist, ihren Frieden mit der Sache zu machen und ihre Trauer zu verarbeiten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Es kann noch binnen einer Woche das Rechtsmittel der Revision eingelegt werden.

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