Rechtsanwältin Silke Jaspert

Fachanwältin für Strafrecht, Mediatorin

Stränge, über die man schlägt

Gespeichert am 12.01.2016

In einer Jugendstrafsache - angeklagt war ein Ladenstiebstahl - habe ich eine junge Dame mit Migrationshintergrund verteidigt. Diese hat, frustriert durch fehlende Eigenmittel, in einem Kaufhaus ein Parfum "mitgehen lassen".

Das stand auch so fest und wurde durch die junge Dame nicht bestritten. Problem war aber, dass dies nicht die einzige Frustrationstat im jungen Leben der Mandantin war. Es gab mithin schon eine Eintragung im BZRG.

Das ist erfahrungsgemäß kein guter Einstieg in ein Plädoyer, in dem es vor allem darum gehen wird, den - etwas schiefen - Lebenslauf der Mandantin auszuarbeiten. Vielleicht war es wichtig, dass die Mandantin als älteste Tochter in einem Haushalt mit 9 Personen neben ihrer eigenen Schulausbildung auch noch die Versorgung der 6 jüngeren Geschwister zu übernehmen hatte.

Wie auch immer, es sollte der Staatsanwalt sein, der uns in die Hände spielte....er zeterte und wetterte. 

Ich mag mich ja irren, aber das alles klang so gar nicht mäßigend und integrativ. Politisch Korrektes sollte anders klingen.

Ich mag mich irren - das erwähnte ich.

Vielleicht habe ich mich aber nicht geirrt. Der StA, der am Ende seines schmissigen Schlussvortrages eine Jugendstrafe (!!!) von 10 Monaten forderte wurde durch das Gericht mit strengen Worten zurechtgerückt....

 

Arbeitsauflage 80 Stunden und - auf eigenen Wunsch der Mandantin - eine Betreuungsweisung.

 

Rechtskräftig und fertig.

 

Anmerkung:

Eine nette Staatsanwältin, die streng und mütterlich vorträgt und mit (zu Recht) erhobenem Zeigefinger eine - angesichts der Vorstrafen - nun nicht mehr vermeidbare Jugendstrafe fordert, die hätte mich mehr Nerven und meine Mandantin mehr Lebenszeit gekostet.

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Rechtsanwältin Silke Jaspert
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